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Westpark und Jahrhunderthalle

Bochum

Am Rand des Bochumer Zentrums, auf einer Fläche der Montanindustrie, entsteht seit 1987 ein neues, multifunktionales Stadtquartier, dessen Entwicklungsprozess andauert. Der im Rahmen der IBA Emscher Park begonnene Westpark ist Impuls und Qualitätsmaßstab für die Entwicklung des gesamten Standorts.

Die Attraktivität des Parks ergibt sich aus seiner zentralen Lage im Stadtgebiet, seiner Anbindung an das regionale Rand- und Wanderwegsystem des Emscher Landschaftsparks, seinen äußerst sensibel, an den Ort angepassten Brückenbauwerken  und nicht zuletzt aus seinem Kulturspielort Jahrhunderthalle im Zentrum des Areals. Die Konzeption zur Umgestaltung des 1968 brach gefallenen Krupp-Geländes zu einem Park ist Ergebnis eines Gestaltungsworkshops. Dessen Ergebnisse greifen die besondere Topographie des Geländes auf. Die über drei Ebenen terrassierte Landschaft wird über einen ca. 2km langen Rundweg erschlossen.

1997 wurde in Wettbewerben die Planung konkretisiert. Als Ergebnis verleihen heute drei Brückenbauwerke dem Park gestalterische Akzente und verbinden die unterschiedlichen Geländesniveaus miteinander. Die Zufahrt zur zentral liegenden Jahrhunderthalle wird von der Nordpolbrücke (Hegger & Hegger Architekten, Kassel mit Bollinger & Grohmann Ingenieure, Frankfurt a.M.) überspannt. Die filigrane Stegbrücke (Pahl + Weber- Pahl Architekten, Darmstadt mit König & Hermisch Ingenieure) erschließt einen Rundweg auf der oberen Ebene. Die s-förmige Hängebrücke (von Gerkan, Marg  und Partner Architekten, Hamburg mit Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart), die sogenannte Erzbahnschwinge, stellt Verknüpfungspunkte der Erzbahntrasse zu regionalen Fuß- und Radwegen her. Das Beleuchtungskonzept des Parks „Inszenierte Dunkelheit” greift die Geschichte des Ortes auf und betont sowohl markante bauliche Punkte als auch Vegetationsstrukturen im Park.

Die Jahrhunderthalle ist das Herzstück der Parkanlage. Dieser Industriebau des Bochumer Vereins wurde 1902 für eine Industrie- und Gewerbeausstellung als demontierbare Ausstellungshalle in Düsseldorf aufgestellt. In Bochum wiederaufgebaut, diente sie von 1924 bis 1991 unterschiedlichen industriellen Zwecken. Ein durchaus ins Kalkül gezogener Abriss konnte verhindert werden. Stattdessen erfolgte im Rahmen der IBA Emscher Park 1994/95 eine erste Gebäudesicherung und Nutzung als ungewöhnlicher Veranstaltungsort. 2002/03 wurde die Jahrhunderthalle von den Architekten Petzinka, Pink + Partner aus Düsseldorf als zentraler Spielort für die RuhrTriennale weiter qualifiziert und hergerichtet.

Weitere Entwicklungen seit 2000 waren unter anderem der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes der Gewerkschaft IG Metall im Südosten der Fläche sowie die Sanierung der historischen Klärbecken, Kühltürme und des Wasserturms, einschließlich einer Illumination zur „Wasserwelt” nördlich der Jahrhunderthalle. 2007 wurde die Rahmenplanung des Gesamtareals überarbeitet, da Teilflächen nach wie vor durch den Bochumer Verein für Verkehrstechnik genutzt werden und als Entwicklungsflächen noch nicht zur Verfügung stehen. Die Gesamtfläche wurde von ehemals 70 auf 35 Hektar reduziert. Planungen für die kommenden Jahre sind die Sanierung und der Ausbau des Pumpenhauses als Besucherzentrum der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 und der Dampfgebläsehalle als Lager- und Werkstattflächen der Jahrhunderthalle mit Büroflächen für die KulturRuhr GmbH sowie die nutzungsneutrale Sanierung der Turbinenhalle für Unternehmen der Kulturwirtschaft. 2,7 Hektar Gewerbe- und Büroflächen werden für private Investoren vermarktet. Die Erschließung soll bis 2010 fertig gestellt sein. An der Alleestraße und auf dem Stahlwerksplateau werden Flächen für Wohnbebauung und Dienstleistungsnutzung mit repräsentativem Stadtplatz vor dem Stützbauwerk Colosseum entwickelt.

Westpark mit Jahrhunderthalle, Bochum

Bauherren:
Parkgestaltung / Jahrhunderthalle: LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW (Dortmund)
Erzbahnschwinge: KVR Kommunalverband Ruhrgebiet, heute: RVR Regionalverband Ruhr (Essen),
Jahrhunderthaus: IGEMET Treuhandverwaltung (Frankfurt a.M.) 

Architektur
Städtebauliche Rahmenplanung: Prof. Sieverts (Bonn)
Umnutzung Jahrhunderhalle: Büro Mikisch und Partner (Düsseldorf)
Ausbau zum RuhrTriennale-Spielort:Petzinka Pink und Partner (Düsseldorf)
Entwurf und Planung Westpark: Arbeitsgemeinschaft Westpark

Planungszeitraum: 1993 Aufnahme in die IBA

Fläche / Größe: 35ha, 2 km langer Rundweg