Der Emscher Landschaftspark und seine Vernetzung
Leitideen des Emscher Landschaftsparks waren Rückgewinnung, Schutz, Öffnung, Verbund und Qualifizierung vorhandener Freiräume: Die Entwicklung neuer Parks auf alten Standorten, die Transformation ehemaliger Industriebahngleise zu Rad- und Wanderwegen und die Integration der vielen Einzelprojekte in einem zusammenhängenden Regionalpark entlang der Emscher.
Aus ästhetischer Sicht ging es beim Umbau nicht darum, die Landschaft des 19. Jahrhunderts, sondern den eigenständigen Charakter und die eigene Ästhetik der Industrielandschaft zu formulieren: Natur, Kultur und das industrielle Erbe wurden in Industrie-Folgelandschaften verknüpft, um die Natur in die Stadt zurück zu bringen, bislang zerschnittene Freiräume zu vernetzen und das verbindende Alleinstellungsmerkmal der Region, die Industrielle Vergangenheit als wertvolle Geschichte präsentieren zu können.
Aufbauend auf der Machbarkeitsstudie Emscher Landschaftspark (1990) erfolgte die Umsetzung des Landschaftsparks auf drei Maßstabsebenen: einem Leitplan für den Emscher Landschaftspark gesamt, sieben Rahmenplänen für sieben regionale Grünzüge und viele lokale Einzelprojekte. Bis 1992 wurde der Leitplan Emscher Landschaftspark als Gesamtkonzeption des Landschaftsparks durch den Kommunalverband Ruhr, heute Regionalverband Ruhr (RVR), erarbeitet und beschlossen. Lokale und regionale Projekte wurden koordiniert und allgemeingültige Qualitätsziele definiert. Es entstanden Themen, Aufgaben und Ideen für den Landschaftspark. Für die sieben regionalen Grünzüge (A bis G) wurden parallel die Rahmenpläne aufgestellt, die für einen überschaubaren Zeitraum angelegt waren.
Für jeden Grünzug wurden lokale Schwerpunktprojekte beschrieben, die sich im Wesentlichen fünf Typen zuordnen lassen:
„Industriell geprägte Landschaftsparks “ verkörpern großflächige Parkanlagen auf Industriebrachen
„Stadtparks in der Industrielandschaft” benennen kleinere Parkanlagen, die im Zusammenhang mit neuen Wohngebieten und Gewerbeparks realisiert wurden
„Parks der vorindustriellen Kulturlandschaft” sind Reste von vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften, deren land- oder forstwirtschaftliche Nutzung in veränderter Form als Parkanlage fortgeführt wird
„Wilder Industriewald” bedeutet die natürliche Waldentwicklung auf den Restflächen der Industrielandschaft
„Halden und Deponien” wurden für eine Freiraumnutzung hergerichtet und teilweise unter künstlerischen Gesichtspunkten zu Landmarken umgestaltet.
Mit dem Ende der IBA war die Aufgabe der Transformation und nachhaltigen Gestaltung der Stadtlandschaft zwischen und in den Kernstädten des Ruhrgebiets angegangen, aber keineswegs abgeschlossen. Die enormen Potenziale des regionalen Parkkonzepts aber waren allen Beteiligten während der 1990er Jahre bewusst geworden. Der Masterplan Emscher Landschaftspark 2010 weist heute insgesamt 178 realisierte Projekte und 248 laufende und geplante Projekte aus.





