de | en

Stadtteilzentrum und Fortbildungsakademie Mont-Cenis

Herne

Mit der Schließung der Zeche Mont-Cenis in Herne-Sodingen verlor der Bergbau geprägte Stadtteil nicht nur seinen wirtschaftlichen, sondern auch funktionalen und städtebaulichen Mittelpunkt. Die Entscheidung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Fortbildungsakademie des Innenministeriums nach Herne zu verlegen, war der entscheidende Impuls für die Entwicklung der 26 Hektar großen Brachfläche.

Die Akademie Mont-Cenis ist Bestandteil eines städtebaulichen Gesamtkonzeptes, das 300 Wohnungen, Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen zusammenlegt und die umgebende Landschaft als Stadtteilpark im weiteren Umfeld entwickelt.

Die gesamte Planung für den Stadtteil und das Akademiegebäude fand ab 1990 statt. Ein erstes Entwurfsseminar im Rahmen der IBA Emscher Park mit fünf internationalen und interdisziplinären Arbeitsgruppen aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsplanern entwickelte Ideen für den Standort. Die Ergebnisse des Entwurfsseminars sowie deren Arbeitsweise sind anschließend im Rahmen eines Bürgermarkts der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Die Akademie Mont-Cenis, gestaltet vom Büro Jourda et Perraudin, Lyon, beherbergt heute die Fortbildungsakademie des Innenministeriums von Nordhein-Westfalen, einschließlich eines Gästehauses für Fortbildungsteilnehmer, sowie ein Stadtteilzentrum mit Stadtbibliothek, eine Bürgerbegegnungsstätte und eine Bezirksverwaltungsstelle der Stadt Herne. Die Konzeption des Gebäudes wurde inspiriert vom Londoner „Crystal Palace“ der Weltausstellung 1851: Alle Nutzungen sind als Innenhäuser in Holzbauweise unter einer Glashülle angeordnet. Die durch eine Holzkonstruktion getragene Mikroklimahülle – 180m lang, 75m breit und 15m hoch – erlaubt bei den eingestellten Häusern schlichte Konstruktionen, die ohne Regenschutz auskommen. In den Gebäuden werden 50% weniger Energie verbraucht als bei konventioneller Bauweise. Wärme und Elektrizität kommen von  einem Blockheizkraftwerk, das mit Grubengas betrieben wird. Das Dach ist mit einer 1 MW Photovoltaikanlage belegt.

Einen Blickfang bilden zwei dreigeschossiger Kegelstümpfe, die zum Einen den Eingangsbereich der Fortbildungsakademie und zum Anderen die Stadtteilbibliothek beherbergen. Die Einrichtungen des Stadtteilrathauses sind so angeordnet, dass Akademie- und Bürobetrieb störungsfrei nebeneinander funktionieren. Innerhalb des Stadtteilparks ist die Akademie etwas höher gelegen und von einer ovalen Baumlinie und einem Lichtkunstwerk von  Mischa Kuball umkrahmt.

Außerhalb dieser Ellipse soll sich eine Spontanvegetation zum Wald entwickeln während alte industrielle Aufschüttungen längst von Wiese bedeckt sind. In der Folge schließt das Landschafts- und Naturschutzgebiet Vosshacken an den Park an. Ein 2005 fertig gestelltes Wohn- und Geschäftshaus mit einem Supermarkt, verschiedenen kleineren Geschäften, Arztpraxen sowie alten- und behindertenfreundlichen Wohnungen bildet den letzten Baustein in der Erneuerung des Stadtteilzentrums. Das viergeschossige Gebäude schafft mit dem vorgelagerten öffentlichen Marktplatz eine Verbindung zwischen dem Park mit der Akademie und dem Stadtteil.

Stadtteilzentrum und Fortbildungsakademie Mont Cenis Sodingen

Bauherr: ntwicklungsgesellschaft Mont Cenis mbH

Architektur: Büro Jourda et Perraudin (Lyon), Hegger Hegger Schleif HHS Planer + Architekten AG (Kassel)
Landschaftsplanung: Desvigne & Dalnoky (Versailles)

Planungszeitraum: 1997 – 1999
ab 2000 Weiterentwicklung

Fläche / Größe: 26 ha